Mit großem Bedauern nimmt die Stadt Werl die Ankündigung des Evangelischen Kirchenkreises Hamm zur Kenntnis, die Kindertageseinrichtung Saatkorn in Hilbeck zum Kitajahr 2029/2030 schließen zu wollen. Diese Entscheidung trifft insbesondere die betroffenen Kinder und Familien in einer ohnehin angespannten Situation und sorgt vor Ort für erhebliche Verunsicherung.
Gleichzeitig weist die Stadt die Darstellung des Trägers in wesentlichen Punkten entschieden zurück. Die vorgebrachte Argumentation vermittelt ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Sachlage. Insbesondere die finanziellen Forderungen des Evangelischen Kirchenkreises Hamm besitzen keine rechtliche Grundlage und sind aus Sicht der Gemeinschaft der Steuerzahlenden weder angemessen noch verhältnismäßig.
Der Rat der Stadt Werl hat sich mit der Angelegenheit intensiv befasst und dem Ansinnen des Trägers daher einstimmig widersprochen. Auch der Kreis Soest, als zuständiger Jugendhilfeträger, war nicht bereit die finanziellen Ansprüche zu befriedigen. Die Forderungen, neben einem rückwirkenden Defizitausgleich in fast sechsstelliger Höhe auch zusätzlich Investitionen in eine Heizungs- und Gebäudemodernisierung sowie eine dauerhafte Erhöhung des freiwilligen Trägeranteils zu übernehmen, überschreitet deutlich das Maß dessen, was kommunal verantwortbar ist.
„Wir sind irritiert von der verzerrten Darstellung des Sachverhalts durch den Träger. Die finanziellen Forderungen sind ohne Rechtsgrundlage, aus Sicht der Allgemeinheit maßlos und stetig anwachsend“, erklärt Bürgermeister Torben Höbrink.
Auch fachlich ist die Argumentation des Trägers nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Instandhaltung und Modernisierung von Gebäuden beim Eigentümer. Bei der Kita Saatkorn somit dem Evangelischen Kirchenkreis Hamm. „Welcher Hauseigentümer verlangt von Dritten, die energetische und technische Aufwertung seines Gebäudes vollständig zu übernehmen?“, fragt Fachbereichsleiterin Iris Bogdahn klar. „Hier werden Erwartungen formuliert, die mit den üblichen Rahmenbedingungen nicht vereinbar sind. Die Erfüllung dieser ultimativen Forderungen würde zu einer Unwucht im Umgang mit anderen Kitaträgern führen.“ Hintergrund: Im Kitajahr 2024/2025 betrug der freiwillige städtische Zuschuss an die Kitaträger 1,144 Mio. Euro. Für das Haushaltsjahr 2026 sind Mittel von 1,359 Mio. Euro vorgesehen.
Die Stadt Werl hätte sich vom Träger, gerade vor dem Hintergrund seines kirchlichen und sozialen Anspruchs, ein stärkeres Engagement für den Erhalt der Einrichtung gewünscht. „Wir hätten uns mehr soziales Verantwortungsbewusstsein und weniger wirtschaftliches Kalkül gewünscht“, so Bürgermeister Höbrink weiter. „Es ist schade, dass der Evangelische Kirchenkreis Hamm ausgerechnet die Kleinsten in Zeiten wie diesen allein lässt.“
Ungeachtet dessen wird die Stadt ihrer Verantwortung gegenüber den Familien gerecht werden. „Wir treten nun in Gespräche mit unseren verlässlichen Partnern bei der Kinderbetreuung ein, um tragfähige Lösungen für die Kinder und Familien von Hilbeck zu entwickeln und eine bedarfsgerechte Betreuung sicherzustellen“, erläutert Iris Bogdahn die weitere Vorgehensweise der Stadt.
