Die Wallfahrtsstadt Werl hat in den vergangenen Wochen vier Bürgerbeteiligungen zu Projekten aus dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept für den Stadtkern der Wallfahrtsstadt Werl (ISEK) durchgeführt. Über das Beteiligungsportal.NRW bestand vom 06. bis zum 22.05.022 digital die Möglichkeit sich mit Ideen und Anregungen einzubringen. Darüber hinaus haben Vertreter der Stadtverwaltung am Tag der Städtebauförderung am 14.05.2022 im ehem. Ladenlokal Kirschniak sowie in der Stadtbücherei für Fragen zur Verfügung gestanden und Beteiligungen durchgeführt. Weitere Beteiligungen sind am 20. und 24.05.2022 während des Wochenmarktes vor Ort durchgeführt worden. Auf diese Weise wollte die Wallfahrtsstadt Werl ihren Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung an verschiedenen Prozessen und Projekten bieten.
Spielgeräte für den neuen Wasserspielplatz im Kurpark Werl
Eine der Beteiligungen hat sich mit dem künftigen Wasserspielplatz im Kurpark befasst. Dieser soll für Kinder, Jugendliche und Familien am Salzbach geschaffen werden. Innerhalb des Spielbereichs sollen verschiedene Spielgeräte zum Thema Sand, Matsch und Wasser angeordnet werden. Spielerisch soll das Wasser erkundet und erforscht werden können.
Insbesondere Kinder und Jugendliche waren aufgerufen sich an der Auswahl der Spielgeräte für den Wasserspielplatz zu äußern. Es bestand die Möglichkeit sich zwischen verschiedenen Vorschlägen zu entscheiden. Jeder Teilnehmer konnte zwei Stimmen abgeben. Im Rahmen der digitalen Bürgerbeteiligung sind insgesamt 254 Stimmen für die unterschiedlichen Vorschläge abgegeben worden. Im Zuge der vor Ort-Befragung konnten zudem weitere 355 Stimmen gesammelt werden. Anhand der insgesamt 609 abgegebenen Meinungen lässt sich ein Stimmungsbild ableiten. „Die Ergebnisse der digitalen und analogen Beteiligungen sind ähnlich. Die Teilnehmer favorisieren mehrheitlich das Schöpfrad mit -brunnen (47%) sowie das Wackelkanu (22,5%). Den dritten Platz belegt die archimedische Schraube (17 %) und den vierten Platz das große Schöpfrad (13,5%)“, erläutert Anja Stakemeier von der Koordinierungsstelle Förderungen der Stadtverwaltung. Die Ergebnisse sind bereits an das zuständige Planungsbüro weitergegeben worden.
Sanierung des Teiches und Bau eines Wassertretbeckens im Kurpark Werl
Eine weitere Umfrage hat sich mit der Sanierung des bestehenden Quellteiches des Salzbachs befasst. Auf Grundlage des Vorentwurfes eines Planungsbüros ist die Konzeptidee vorgestellt worden. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit in offenen Stellungnahmen ihre Meinung über den Vorentwurf und weitere Anregungen zu äußern. „Im Wesentlichen beziehen sich die Rückmeldungen auf die Kernpunkte des Vorentwurfes. Dies betrifft die Erneuerung des Uferbereiches, die Schaffung von Sitzplattformen, die Anlegung eines Tretbeckens, die Schaffung einer neuen „Mittelinsel“ als Aufenthaltsbereich sowie die vorgeschlagene Entfernung der beiden bestehenden Inseln“, erklärt Stakemeier. An der digitalen Abfrage haben sich 38 Personen beteiligt. Weitere Meinungen konnten durch die vor Ort-Beteiligungen gesammelt werden. Insgesamt liegen 420 Äußerungen zu den aufgeführten Kernpunkten des Vorentwurfes sowie rund 20 Äußerungen zu weiteren Punkten des Projektes vor. Viele Stellungnahmen greifen mehrere Gestaltungsmerkmale auf, so dass eine genaue Teilnehmerzahl an der Beteiligung nicht genannt werden kann. Zu den Kernpunkten des Vorentwurfes konnten folgende Ergebnisse gesammelt werden:
- Erneuerung des Uferbereiches: Von den 59 abgegebenen Meinungen sind 49 dafür das eine Erneuerung des Uferbereiches durchgeführt werden sollte. In diesem Zusammenhang wird jedoch vielfach auf eine naturnahe Gestaltung hingewiesen. Zudem sollte sich die Erneuerung vorwiegend auf erforderliche Bereich beziehen.
- Schaffung von Sitzplattformen: Von den 80 abgegebenen Äußerungen sind 70 für die Schaffung dieser Sitzplattformen. Die Sitzbereiche sollen in die Wasserfläche ragen, dazwischen niedrige Pflanzungen, z. B. mit Gräsern bestehen.
- Anlegung eines neuen Tretbeckens: 100 Äußerungen wurden zu der Anlegung eines neuen Tretbeckens abgegeben. 81 % der Teilnehmer spricht sich für die vorgeschlagene Anlegung eines neuen und bedarfsgerechten Beckens aus. Das Tretbecken soll die generationsübergreifende Gestaltung fördern.
- Anlegung einer „Mittelinsel“ als Aufenthaltsbereich: Dieser Vorschlag hat 86 Rückmeldungen erhalten. 66 % der Teilnehmer begrüßen diese Idee. Die „Mittelinsel“ soll zentral zwischen den beiden Gewässerteilen liegen und einen befestigten Aufenthaltsbereich mit integriertem Tretbecken aufweisen. Im Weiteren bietet die „Insel“ genug Platz für den Aufenthalt am Wasser und im Schatten der alten Bäume.
- Entfernung der beiden bestehenden Inseln: 114 Äußerungen hat es zu diesem Projektbestandteil gegeben. 88 Äußerungen sind für den Erhalt der bestehenden Inseln. Hauptargument ist, dass diese als Rückzugsort der im Kurpark lebenden Tiere, insbesondere Enten, gesehen werden und Bestandteil des Erscheinungsbildes sind. Als Kompromissvorschlag ist die Verkleinerung der bestehenden Inseln oder nur die Entfernung einer Insel geäußert worden.
Weitere Anregungen waren unter anderem, dass bei den Planungen auf eine insektenfreundliche Beleuchtung geachtet und mehr Müllbehälter im Kurpark aufgestellt werden sollen. Das beauftragte Planungsbüro hat die Ergebnisse der Beteiligung bereits erhalten und wird den Vorentwurf weiter konkretisieren.
Umgestaltung des Schulhofes der Sälzer-Sekundarschule Werl
Ein Teilbereich des Schulhofs Sälzer-Sekundarschule soll umgestaltet werden. Eine weitere Bürgerbeteiligung hat sich mit diesem Projekt beschäftigt. Insgesamt sind 39 Stellungnahmen, davon 35 digital und vier durch die vor Ort-Beteiligungen, eingegangen.
Inhaltlich sind die Äußerungen sehr ähnlich und haben zahlreiche Überschneidungen. Die Schaffung von neuen Sitzgelegenheiten – vorzugsweise mit Grün-Beschattung –, die Anlegung weiterer Grünbereiche, eines Outdoor-Klassenzimmers und Radabstellmöglichkeiten werden aufgeführt. Darüber hinaus wird die Berücksichtigung von Outdoor-Sportgeräten, neuen Basketballkörben, einem Mini-Soccerplatz und eine Tischtennisplatte häufig gewünscht.
Das Planungsbüro erstellt aktuell einen ersten Entwurf. In enger Abstimmung mit der Sälzer-Sekundarschule soll der Entwurf in den nächsten Wochen weiter ausgearbeitet und konkretisiert werden.
Umgestaltung der Fußgängerzone der Wallfahrtsstadt Werl
Für die Umgestaltung der Fußgängerzone wird erstmalig in der Werler Stadtentwicklung ein Wettbewerb durchgeführt. Hierbei können sich Planungsbüros mit ihren Entwürfen bewerben, welche durch eine Preisgerichtsjury bewertet werden. Der beste Entwurf bekommt dann den Zuschlag und soll umgesetzt werden. So wird eine möglichst hohe Gestaltungsqualität gewährleistet, die möglichst viele Bedürfnisse der Werlerinnen und Werlern berücksichtigt.
Um eben diese Bedürfnisse und Anliegen drehte sich auch die Bürgerbeteiligung welche dem Wettbewerb vorgeschaltet war und nun abgeschlossen ist. „Vor dem Wettbewerbsverfahren wollten wir natürlich wissen, was den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist, welche Wünsche, Anregungen oder auch Kritik sie uns und den Planungsbüros mit auf den Weg geben wollen“, erläutert Projektmanager Thomas Hupertz. Die insgesamt 78 Rückmeldungen waren sehr vielfältig und deckten alle Themenfelder von Verkehr über Begrünung, Barrierefreiheit, Sicherheit und Stadtmobiliar ab.
Der mit Abstand am meisten diskutierte Punkt mit insgesamt war die zukünftige Verkehrssituation, worauf allein über die Hälfte der Beiträge bezogen. Hier zeigte sich schnell, dass es sehr widerstrebende Meinungen gibt die z.T. ähnlich stark vertreten waren. So stimmten etwa mit 11 Beteiligte für eine Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr, sei es in der gesamten oder nur in Teilbereichen. Demgegenüber sehen 8 Beiträge eine solche Entwicklung kritisch und wollen die Fußgängerzone in den Kernzeiten weiterhin nur den Fußgängern vorbehalten, wobei zumeist eine erhöhte Unfallgefahr als Grund genannt wurde. Einige Wenige (3 Beiträge) forderten sogar wieder die Zulassung von Autos in der Fußgängerzone, wobei aber 5 Beteiligte dieses explizit in ihrer Stellungnahme ablehnten.
Einig hingegen waren sich die meisten Beteiligten in dem Punkt, dass die Fußgängerzone mehr Grün vertragen könnte. Gleich 9 forderten mehr Begrünung, z.B. durch Sitzmöglichkeiten mit integrierter Bepflanzung und neue Flächen für Bäume und Blumen.
Weitere forderten mehr Kunst im öffentlichen Raum, eine rollstuhlgerechte und einheitliche Pflasterung, bessere Radabstellmöglichkeiten, mehr und schönere Spielgeräte, mehr Mülleimer und eine Kameraüberwachung gegen Vandalismus.
„Die Beiträge waren sehr vielfältig und vor allem für das Thema Verkehr zeigte sich schnell, dass es nicht klappen wird alle auf einen Nenner zu bringen. Nichtsdestotrotz müssen wir uns für einen Weg entscheiden und diesen sollten möglichst viele Werlerinnen und Werler mittragen“, resümiert Hupertz. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung werden den teilnehmenden Planungsbüros zur Verfügung gestellt, sodass diese in der Ausarbeitung der Wettbewerbsbeiträge berücksichtigt werden.
Fazit
„Insgesamt ziehen wir ein positives Resümee aus den durchgeführten Beteiligungen“, betont Bürgermeister Torben Höbrink. „Die Entwürfe und Planungen haben zu Diskussionen und Rückmeldungen angeregt. Wir konnten Stimmungs- und Meinungsbilder zu den einzelnen Projekten sammeln und werden die Projekte nun inhaltlich weiter vorantreiben.“
Über die Sommerpause werden die Planungen zu allen Projekten überarbeitet. Sobald diese vorliegen, wird die Verwaltung entsprechend informieren.
