2010 - Haus Kletterpoth 11 in Werl

Das Eckhaus markiert eindrucksvoll die Einmündung des Kletterpoths in den Steinergraben. Das Erscheinungsbild des historischen Stadtkerns ist geprägt durch den Kontrast zwischen kleinteiliger, dichter Bebauung und großvolumigen, freistehenden Baukörpern. Hier wird die Gegensätzlichkeit durch das Denkmal des Monats  in Verbindung mit der kleinparzelligen Bebauung des Steinergrabens und dem Blick nach Nordwesten auf die beiden Wallfahrtskirchen, dem betreuten Wohnen mit seinem großzügigen Rosengarten und der auf der Westseite angrenzenden Grünsandsteinmauer des ehemaligen Burgmannshofs der Familie von Fürstenberg besonders deutlich.

Das Denkmal aus dem 19. Jahrhundert ist ein traufenständiger, geschossig abgezimmerter Fachwerkbau dessen Traufenwand durch das ehemalige Einfahrtstor in der Mitte quer aufgeschlossen wird. Rechts der Deele befanden sich Ställe. Die Räume links der Deele dienten lange dem Wohnen und wurden durch einen kleinen Fachwerkanbau, der später hinzugefügt wurde, separat erschlossen. Durch den Bau eines Drempels und eines Dachhäuschens im Jahr 1925 wurde der Denkmalwert nicht gemindert. Es handelt sich um ein recht großes, auch damals noch primär der Landwirtschaft als Scheune und Stall dienendes Gebäude, das das Gesicht der Stadt wesentlich mitprägt. Es ist ein selten erhaltenes Beispiel einer Scheune im historischen Stadtkern Werl. Der Denkmalwert begründet sich daher nicht nur durch die ortsgeschichtliche und städtebauliche Bedeutung, sondern auch durch die Ablesbarkeit der städtischen Arbeits- und Produktionsverhältnisse.

Bis zum Ende der 1980-ger Jahre wurde der Denkmalwert in Frage gestellt und das mittlerweile nicht mehr genutzte Gebäude drohte zu verfallen. So wurde es mehrmals in der Öffentlichkeit als Schandfleck bezeichnet. Dank des Engagements der Geschwister Meermann und Dank der Zuwendung von Landesmitteln konnte das Gebäude ab 1993 restauriert und zu einem Büro und einer Wohnung umgebaut werden. Dabei wurde das bis dahin vollständig verputzte Fachwerk freigelegt und sichtbar gemacht. Durch einen neuen eingeschossigen nördlichen Anbau konnte nach dem Entwurf des Architekten Heiner Heuschäfer eine wirtschaftliche Nutzung der Büroräume erzielt werden ohne die Gestaltqualität des Baudenkmals zu schmälern. Die ehemalige charakteristische Scheunenöffnung wurde beibehalten und geschickt mit einer dahinter liegenden modernen Stahl-Glaskonstruktion kombiniert. Die alte Raumstruktur des Innern, die insbesondere durch die Deele geprägt ist, ist noch klar erkennbar.

In städtebaulich markanter Lage ist gelungen, ein vom Verfall bedrohtes Baudenkmal zu retten und mit neuem Leben zu füllen. Nach der Restaurierung der historischen Bausubstanz und der gelungenen Kombination von Alt und Neu ist ein ?Schandfleck? zu einem ?Blickfang? geworden.