2009 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Westuffeln in Werl

Das großläufige Gelände befindet sich am westlichen Ortsrand von Werl an der Wickeder Straße. Die Anlage ?Westuffeln? umfasst insgesamt vier Denkmäler.

Das Hauptgebäude, ein zweiflügeliges Ziegelsteingebäude mit Glockenturm, das nach einem Brand im Jahre 1911 in gleicher Art neu errichtet wurde. Die Seitenflügel wurden vorerst einstöckig erbaut und im Jahre 1921 aufgestockt.

Das ehemalige Schulgebäude ist als Teil der Gesamtanlage der ehem. ev. Waisenanstalt (1871 - 1875 erbaut) zu sehen und erhält aus diesem Zusammenhang heraus seine Bedeutung.

Der dem historischen Haupthaus gegenüberliegende Trakt von Ökonomiegebäude und Turnhalle greift im Bauplan auf Anlagen von Gutshöfen dieser Zeit zurück. Dem Stil nach haben die 1850 - 80 zu datierenden Bauten viele Elemente der englischen Neugotik aufgenommen, wie sie durch Schinkel in Berlin gestaltet wurden. Gestalterisch besonders bedeutend ist die an Klosterbaukunst orientierte Turnhalle, die in Ecklage den Komplex einfasst. Ungewöhnlich ist die Aufnahme von heimischem Material für den Bau, sonst häufig sind Baumaterialien wie am Haupthaus der Stiftung.

Eigentümerin ist die von Mellin?sche Stiftung. Der Werler Gutsherr und Erbsälzer Joseph von Mellin bestimmte in seinem Testament vom 25. Januar 1833, dass sein gesamtes Vermögen zur Schaffung eines Waisenhauses für Knaben, in Uffeln, verwendet werden sollte. Die Knaben sollten ?in Uffeln Pflege, Kleidung, Unterkunft und Wissen empfangen, bis sie im Stande seien, selbst ihren Unterhalt zu verdienen?. Die Stiftung trägt seit 1837, nach damaliger Oberpräsidialbestimmung, seinen Namen, die ?von Mellin?sche Stiftung?.

Die beiden Heime in Ostuffeln für katholische Knaben und Westuffeln für evangelische Knaben wurden nach dem deutsch- französischen Krieg fertig gestellt. So kam es, dass zunächst Verwundete in den Gebäuden wohnten und schließlich 1871 die ersten Kinder in die Heime einziehen konnten. Feierlich eröffnet wurden die Erziehungsanstalten der von Mellin?schen Stiftung am 27. Juni 1872.

Unter großer Veränderung stand Westuffeln in den 60er Jahren, als ein Neubau aus rotem Backstein errichtet wurde. Das Gebäude beinhaltete getrennte, abgeschlossene Wohnungen, die für jeweils 12 Kinder vorgesehen waren. Die Versorgung war aber immer noch zentral angelegt. Nachdem 1990 das Kinder- und Jugendhilfegesetz erneuert wurde, konnte eine verstärkte Differenzierung der Hilfen und Inhalte erreicht werden. Ganz allmählich wurden weitere Angebote entwickelt, die die klassische Heimarbeit ergänzen.

Da die Wohnsituation des Backsteingebäudes mittlerweile nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprach, sollte ein neues ?wohngerechtes? Gebäude entstehen. Es wurde festgelegt, einen Anbau an der denkmalgeschützten ehemaligen Scheune (Ökonomiegebäude) vorzunehmen und diese auch für Wohneinheiten zu nutzen. Anfang 2007 wurde mit dem Bau des karreeförmigen Anbaus begonnen, der zusammen mit der sanierten historischen Scheune Platz für 3 Wohngruppen bietet. Der Dachstuhl der Scheune wurde erneuert und verzinkte Gauben wurden eingebaut, um eine Unterbringung im Dachgeschoss zu gewährleisten. Der Grundriss des Erdgeschosses wurde grundlegend verändert, um auch einen Teil davon sinnvoll zu nutzen. Außerdem wurden die Grünsandsteinfassaden des Denkmals saniert und kaum verändert, um den historischen ?Flair? von Westuffeln zu erhalten. In Mitten des Komplexes befindet sich ein großzügiger Innenhof, der von dem ehem. Scheunendurchgang zu erreichen ist. Von ihm gelangt man auch in die neuen Wohneinheiten der Wohngruppen. Die Kinder und Jugendlichen konnten bereits im Februar 2008 den Neubau beziehen.

Nach dem Umzug der Kinder wurde das ?kasernenähnliche? Backsteingebäude von 1968 abgerissen, dort ist ein Ballspielplatz entstanden.

Mit dem Umbau und der Umnutzung des Ökonomiegebäudes sowie den neuen Anbauten ist es in hervorragender Weise gelungen, historische Bausubstanz mit zeitgenössischer Architektur in Einklang zu bringen. Somit ist das Denkmal des Monats ein gutes Beispiel für den ?Weiterbau? von denkmalwerter Substanz.