2008 - Ehemaliges Exerzitienhaus der Franziskaner - Betreutes Wohnen "Rosengarten" in Werl

Auf großzügigem Grundstück südlich der Wallfahrtsbasilika gelegen und nur durch einen kleinen Park mit Kreuzwegstationen von dieser getrennt, befindet sich das ehemalige Exerzitienhaus der Werler Franziskaner. Es wird erschlossen von der Engelhardtstraße aus, von der es durch eine hohe Mauer mit Sockel und Lisenen aus Grünsandstein abgeschirmt ist.

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen breit gelagerten, elfachsigen Hauptbau mit zwei nach Süden anschließenden kurzen Flügelbauten zu drei Achsen. Über Rustika-Quadersockel aus Grünsandstein mit Kellerfensteröffnungen erhebt sich ein zweigeschossiger Putzbau unter mit Schiefer gedecktem Mansarddach.

Das ehemalige Franziskushaus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Werl und im Erzbistum Paderborn, weil es weite Teile der katholischen Bevölkerung geprägt hat. Tausende hielten eine geistliche Einkehr in dem Gebäude, dass im Stadtzentrum Werls in direkter Nähe zum Werler Gnadenbild errichtet wurde. Neben der Wallfahrtsbasilika und dem Franziskanerkloster hatte das Exerzitienhaus für die Region eine große Bedeutung für das kirchliche Leben. Das Objekt ist als erstes eigenständiges Exerzitiengebäude in Deutschland errichtet wurde.

1908 wurde das von den Franziskanern erworbene Wohnhaus des Kunstmalers Hoffmann auf Kosten des Provinzialates der Franziskaner als Exerzitienhaus eingerichtet, ganz bewusst in unmittelbarer Nähe der Werler Gnadenmutter. Die Exerzitien fanden großen Zuspruch, bald wurde das Haus zu klein. Deshalb wurde 1912 beschlossen, einen Neubau zu errichten. Unter großer tatkräftiger Beteiligung der Bevölkerung wurde das neue Exerzitienhaus nach dem Abbruch des Hoffmannschen Hauses errichtet. Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude als Offiziersgefangenenlager genutzt. Im Jahre 1920 erhielt das Gebäude eine eigene Kapelle. Im zweiten Weltkrieg diente das Exerzitienhaus als Lazarett, bevor es 1945 stark beschädigt wurde. Mit Hilfe der Werler Bürgern wurde das Haus wiederhergestellt. Die kriegsbedingten Unzulänglichkeiten wurden nach und nach beseitigt und das Haus den modernen Ansprüchen (Heizung, fließendes Wasser in den Zimmern) angepasst. Im Jahre 1958 war die Renovierung abgeschlossen.

1977 wurde das Haus grundlegend bedürfnis- und zeitgerecht umgebaut und erweitert.  Jedoch konnten diese Maßnahmen eine endgültige Schließung des Hauses im Jahre 2001 nicht verhindern. Das Gebäude blieb zwar noch im Besitz der Franziskaner, konnte aber keine neue Nutzung erfahren.  

Nach längerem Leerstand erfolgte in 2005/2006 der Umbau und die Erweiterung des Exerzitienhauses  in eine Wohnanlage für betreutes Wohnen mit 40 barrierefreien seniorengerecht ausgestatteten Eigentumswohnungen unterschiedlicher Größe.  Auch wenn die zusätzlich angebrachten Balkone nicht die ungeteilte Zustimmung der Denkmalschützer finden, sind diese aber aufgrund der neuzeitlichen Wohnbedürfnisse  notwendig. Es ist gelungen, qualitativ hochwertiges Wohnen in einem markanten Gebäude mit einer großzügigen Gartenanlage im Stadtzentrum zu schaffen.

Die Wandlung des Gebäudes vom Exerzitienhaus zum ?Betreuten Wohnen? ist ein vorbildliches Beispiel für eine sinnvolle Folgenutzung. Hier ist es gelungen, wertvolle Bausubstanz mit neuem Leben zu füllen und das historische Stadtbild zu bewahren.