2000 - Haus von Papen in Werl

Es handelt sich um einen zweigeschossigen massiven Zweiflügelbau. Im Inneren befinden sich bemerkenswerte Stuckdecken und eine Holztreppe. Das von Papen'sche Haus liegt im Herzen des mittelalterlichen Werl, westlich des Marktplatzes, an der Kreuzung der Bäckerstraße, Marktstraße, Kämper- und Siederstraße. Die Siederstraße hieß früher "Bacher Weg" und die Marktstraße "Papen-Ufer" (1687: Gebruder Papen Uber"). Der Kreuzungsplatz vor dem Papen'schen Haus heißt im Volksmund "Kälbermarkt", diese Benennung hat allerdings keine historische Wurzel. Das Gelände der Besitzung gehörte zur Büdericher Hofe, einem westlich des Marktplatzes gelegenen Stadtviertel: Ob das Haus eine mittelalterliche Vergangenheit hat, muss einer eingehenden wissenschaftlichen Bauforschung - vor allem an den Kellergewölben - vorbehalten bleiben. Dass der Platz vor der historisch faßbaren Geschichte des Hauses unbebaut war, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Vermutlich sind die Vorgängerbauten des heutigen Barockhauses den zahlreichen Feuersbrünsten zum Opfer gefallen, denn zwischen 1228-1744 brannte es mindestens 27 Mal in der Sälzerstadt. Es spricht einiges dafür, dass die Besitzung in der Brandkatastrophe von 1738 oder 1744 in Schutt und Asche fiel, denn der Historiker und Erbsälzer Detmar Josef v. Melling (1702-1765) schreibt zwischen 1748-1750) über dieses Haus ".... welches aber nun neu gebaut ist". Die Stuckdecken des östlichen Saalzimmers wurden vom Landeskonservator in die Zeit um 1720/1730 datiert und stammen somit möglicherweise aus der Erbauungszeit des Hauses. Vermutlich liegt die Schätzung zu früh, denn zwischen 1710 und 1738 ist kein Stadtbrand überliefert und die Äußerung v. Mellin's dürfte eher auf einen Neubau von um 1738/1744 als auf die Zeit kurz nach 1710 bezogen sein!

Die historisch einwandfrei zu belegende Geschichte des Hauses beginnt erst in den Jahren um 1560-1570, als es im Besitz des kurkölnischen Rentmeisters und Erbsälzers Wilhelm Zelion genannt Brandis war. Dessen Tochter Katharina, einziges Kind und demnach Erbin des Hauses, brachte die Besitzung in die Familie ihres ersten Gatten Christoph Papen (+ 1572). Die Familie Papen, seit 1298 in Werl bezeugt, gehörte mit den Lilien und Zelion-Brandis zu den bedeutendsten und ausgebreitetsten Erbsälzer-Geschlechtern und besteht weitverbreitet noch heute. Die Bewohner des ehemaligen Zelion'schen Hofes gelangten übrigens 1683 noch in den Besitz des bei Werl-Niederbergstraße gelegenen Rittergutes Koeningen und fortan werden die Herren auf Koeningen ihr Stadthaus am Papenufer vornehmlich in den Wintermonaten bewohnt haben. Die auf dem Lande gelegenen Gutshäuser waren für ein repräsentatives und angenehmes Wohnen im Winter oft nicht eingerichtet. Das Stadthaus bot mit seinen Kaminanlagen (später drei Stück) sicherlich eine angenehmere Behaglichkeit. Die v. Papen (Reichsadelsbestätigung 1708) aus dern Koeningen Linie setzten sich jedoch nicht dauerhaft fort, denn die Brüder Josef Dietrich (1699-1741) und Goswin Kaspar v. Papen (1701-20. Oktober 1774) waren ledig geblieben und hinterließen keine Nachkommenschaft. Der letztere stiftete 1773 das Fideikommiß Koeningen, nachdem er das Gut schon 1765 seiner Schwester Maria Antonette, verehelichte v. Bendit (1697-1775), überlassen hatte. Durch die Bestimmungen des Fideikommisses gelangte auch das zugehörige Stadthaus, nachdem die Söhne der Maria-Antonette v. Bendit, Goswin Albert (+ 25. Mai 1781) und Wilhelm Josef v. Bendit (+ 17. Mai 1879) gestorben waren, 1789 an Albert Anton v. Papen zu Westrich aus der I. Hauptlinie seines Geschlechtes. In der älteren Linie seiner Nachkommenschaft vererbte sich das Haus von Papen bis zur Gegenwart.

Hubertus v. Papen verkaufte schließlich das rund 365 Jahre im Familienbesitz gewesene Haus im Jahr 1972 mit Grundstück und Nebengebäuden an die Volksbank Werl. Nachdem das Haus nun nicht mehr bewohnt war, drohte es alsbald zu verfallen.

Ab 1975 bemühte sich die Stadt Werl tatkräftig um den Erhalt dieses Baudenkmales und Zeugen einer glanzvollen Epoche städtischer Geschichte. Es waren zähe Verhandlungen, viele Gespräche und finanzielle Aufwändungen nötig, bis die Stadt Werl - nach Jahren der Ungewißheit um die künftige Nutzung des Hauses - im Oktober 1978 Haus und Grundstück (ca. 410 qm) von der Volksbank Werl erwerben konnte. Mit dem Beschluss des Kulturausschusses der Stadt Werl - Mai 1979 -, das Haus von Papen zur Aufnahme der Stadtbücherei einzurichten, wurde die Zukunft dieses Sälzerhauses gesichert. Nach durchgreifender Renovierung befindet sich darin seit 1980 die Stadtbücherei. Das Haus von Papen ist ein Beispiel dafür, dass ein Denkmal einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden kann. Es ist zu wünschen, dass die Stadtbücherei dieses Haus viele Jahre zum Wohle der Allgemeinheit nutzen kann.