1999 - Haus Rykenberg in Werl

Das Haus Rykenberg befindet sich in einem stillen Winkel inmitten der historischen Altstadt. Das Haus ist ein zweigeschossiger Baukörper unter einem Walmdach. Der älteste Teil, ein Sandsteinbau, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Dieser wurde im 18. Jahrhundert durch einen Fachwerkanbau ergänzt. Eine weitere Bauphase lässt sich an der unterschiedlichen Höhenanordnung der Fensterreihen im Obergeschoss an der Südseite des Gebäudes ablesen. Der massive Teil im Westen ist an der Schmal- und Rückseite mit Spitzbogenfenstern, der Fachwerkteil mit sandsteingefaßten Rechteckfenstern versehen. Im Zusammenhang mit dem Propsteigebäude, welches sich westlich der angrenzenden Schulgasse befindet, ist dieser Bereich von besonderem städtebaulichen Rang.

Seinen Namen empfing das Haus von den Rykenbergs, einer ritterbürtigen Familie aus dem Münsterland. Die Rykenbergs sind seit 1360 als erzbischöfliche Burgmänner in Werl bezeugt. Bis etwa 1500 war das Burgmannshaus im Besitz der Familie Rykenberg. Nachfolgend wechselten die Besitzer rasch. Nachdem die Erbsälzerfamilien Mellin und Brandis das Haus bewohnten, ging es schließlich im 18. Jahrhundert an die Erbsälzerfamilie von Lilien. Rund 200 Jahre ist damit der Rykenberg Eigentum der von Lilien gewesen, woraus verständlich wird, dass man in Werl nicht mehr vom Rykenberg sprach, sondern von dem Hof Lilien an der Schulgasse. 1914 verkaufte die Familie von Lilien das Haus an die Stadt Werl.

Nachdem das Haus im Eigentum der Stadt Werl viele Jahre als Miethaus genutzt und abgenutzt wurde, und es aufgrund seines sehr schlechten Zustands zum Abbruch vorgesehen war, wurde in den 60er Jahren versucht, ein Heimatmuseum dort einzurichten. Dieses war der Grundstein für eine sinnvolle und dem Haus angemessene Nutzung.

1962 konnten zunächst in sehr bescheidenem Ausmaß drei Räume für Museumsaufgaben in Gebrauch genommen werden. Die Instandsetzung des Hauses wurde vorangetrieben, so dass weitere Räume für den musealen Dienst zur Verfügung gestellt werden konnten. Hervorzuheben sind die Arbeiten aus dem Jahre 1964, bei denen einige durch Fäulnis und Hausschwamm befallene Balken ersetzt oder verstärkt werden mussten. Nach einer Neugestaltung wurde das Haus im Jahre 1981 als städtisches Museum wieder eröffnet.

Das Haus beherbergt heute geschichtliche Zeugnisse aus zwei Jahrtausenden. Hervorragend ist eine Gemäldesammlung des bedeutenden Romantikers Heinrich Gaudenz von Rustige. Ein besonderes Augenmerk ist der Salzgewinnung und der Werler Wallfahrt gewidmet. Seit März 1998 wird ein historisches Stadtmofell, das Werl im 17. Jahrhundert sehr anschaulich demonstriert, im Erdgeschoss des Museums ausgestellt.

Das Haus Rykenberg ist eines von vielen Baudenkmälern in der historischen Altstadt von Werl, das heute nach einer wechselvollen Geschichte und liebevollen Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Es stellt einen Beweis für eine sinnvolle Nutzung erhaltenswerter Bausubstanz dar.